Waldemar Olesch


Waldemar Olesch

WALDEMAR OLESCH

Ausstellungsinformation „ihr bietet mir die Strasse“
(Auszug aus einem Text eines jungen Rappers)

Als Künstler beschäftige ich mich seit geraumer Zeit mit dem Thema Kommunikation. Wo Menschen miteinander kommunizieren, wo sich ein gleichberechtigter Dialog entwickelt, da treten oft Gewalt und Willkür hinter Vernunft und Wahrheit zurück. Wo Kommunikation unterbrochen oder konterkariert wird, da machen sich Angst und Schweigen breit, da herrscht das Gesetz des Dschungels.
So versuchte ich bereits vergangenheitlich -beispielsweise durch meine "Klanginstallation" im Rahmen einer Ausstellung in der Rothenburger Kulturbrauerei- die wesentlichen Elemente einer "denaturierten" intersubjektiven Kommunikation abstrakt zu beschreiben.

Heute sind für mich in erster Linie die Ursachen defizitärer Kommunikation interessant, v.a. Abhängigkeit, Ungleichheit und Lüge. Diese zu bekämpfen ist ein zentraler Bestandteil des gemeinsamen Strebens nach einer demokratischeren und gerechteren Gesellschaft.
Das Thema gescheiterte Kommunikation ist deshalb auch der Schwerpunkt meiner gegenwärtigen Ausstellung, die unter dem Motto "Ihr bietet mir die Strasse" steht. Hier sollen die Methoden der Behinderung, Steuerung und Verzerrung von Kommunikation durch die Moderatoren der öffentlichen Debatte, die Massenmedien, an Beispielen aus meinem beruflichen Alltag konkret veranschaulicht werden: Bei meiner Tätigkeit als Stellenvermittler für jugendliche Arbeitslose verfolge ich mit Interesse und Erstaunen die aktuelle Diskussion über die (angeblich) drastisch angestiegene Jugendgewalttätikeit, die auf eine -natürlich am fehlenden Willen der Protagonisten- gescheiterte Integration zurückgeführt wird und durch verschärfte Sanktionen gegen die "Integrationsverweigerer" bekämpft werden soll.
In den Medien kommen fast ausschließlich die so genannte Experten (v.a. Politiker und Soziologen) zu Wort, vereinzelt auch empörte Bürger (quasi "Volkes Stimme", um der elitären Diskussion einen demokratischen Anstrich zu verleihen), niemals aber die Betroffenen selbst. Deren Sorgen, Bedürfnisse und Vorstellungen werden im öffentlichen Meinungsbildungsprozess weder erkannt noch berücksichtigt. Sie sind schlicht und einfach nicht von Interesse. Stattdessen werden die Jugendlichen und ihr soziales Umfeld zu Objekten eines Monologs der Eliten degradiert, worin diese auf Kosten der sozial Schwächeren in erster Linie ihre eigenen Ziele verfolgen.
So genannte Journalisten schrecken nicht einmal davor zurück, türkische Teenager gegen Bezahlung zu falschen Aussagen vor laufender Kamera zu veranlassen, und tarnen auf diese Weise die Verbreitung konventioneller Denkschablonen und althergebrachte Clichés als fundierte Berichterstattung.


Offensichtlich wird durch das Verschweigen gesellschaftlicher Missstände ein wesentlicher Teil der Wahrheit unterdrückt und demokratische Kommunikation verhindert, indem denjenigen, um die es im Grunde geht, die Teilnahme am öffentlichen Diskurs verwehrt wird. Außerdem werden durch die Personalisierung von Problemen deren wahre Ursachen verschleiert, nach dem Motto: "Du bist der Mißstand". Das ist als ob man einem Gelähmten vorwirft, dass er nicht alleine gehen kann.
Ich möchte deshalb mit den Mitteln der Kunst, meinem Verständnis nach ebenfalls eine Form von Kommunikation, die Diskussion um die Stimmen derjenigen bereichern, die davon wieder einmal, wie sie es seit jeher gewohnt sind, ausgegrenzt werden. Hierzu bediene ich mich einer Vielzahl von Informationsschnipseln über den Umgang der Gesellschaft, insbesondere der Eliten, mit den sozial Schwachen, neuerdings den so genannten Gewaltkids und Integrationsverweigerern, die ich während der Dauer meiner eigenen Arbeitslosigkeit und meiner gegenwärtigen Tätigkeit als Jobvermittler erstellt und gesammelt habe, und die gleichsam ein Spiegelbild der uns in den Massenmedien verkauften Wahrheit entstehen lassen.

Meine Ausstellung ist ein Hinweis auf die Schicksale all der jungen Menschen, die durch die elitäre Propaganda marginalisiert und verleumdet werden. Und ein Aufruf an uns alle zu mehr Kritik, Mut und Eigenständigkeit: Benutzt euren Verstand, stellt Fragen, erhebt eure Stimme! Es gilt zu beweisen, dass man uns nicht jeden Mist weismachen kann und wir nicht nur auf dem Papier der Souverän sind!


waldemar olesch

Kids ohne Waffen





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WALDEMAR OLESCH IN DER KULTURBRAUEREI:

Ausstellung: "Kultur braue rei" - 2002
Ausstellung: "Blauhaus" - 2003
Ausstellung: "Offene Räume" - 2006